Gemeinsam Vorhänge öffnen

Theater spielen mit Menschen mit Demenz

Film-Mitschnitt einer Aufführung

"Ball beim verrückten Hutmacher - ein interaktives Theaterstück von Menschen mit und ohne Demenz",

Bochum im Herbst 2014

Wir danken Emilia Hagelganz für die Bereitstellung des Mitschnittes.

Theater machen heißt Rollen zu übernehmen, jemand anderen  spielen der man eigentlich ist und sich darüber auszudrücken.  Wie können Menschen eine Rolle übernehmen, deren eigene Identitätsbildung durch eine dementielle Erkrankung zu zerfallen droht? Das Verfangen sein in der eigenen Rolle, die Rückführung auf stereotype Verhaltensmuster scheinen das Theaterspielen mit Menschen mit Demenz unmöglich zu machen. Schwierig ist, dass man Rollen und Texte nicht lernen kann, weil das Erinnerungsvermögen fehlt.

Doch es ist anders. Das Theaterprojekt „Ball beim verrückten Hutmacher“ in der Alzheimer Gesellschaft Bochum e.V. / DSZ Ruhr machte deutlich, dass es sehr wohl möglich ist, behutsam und langsam das Theaterspiel in bestehende Betreuungsgruppen einzuführen. Es braucht Zeit und viel Vertrauen, sich trotz aller Hemmnisse vorsichtig in die Rolle zu begeben. Das geht nicht spontan. Wenn das gelungen ist, kann eine erfahrene Theatervermittlerin ein Stück entwickeln und eine Aufführung vorbereiten. Am 24.10.2014 fand in einer Bochumer Szenekneipe vor den Angehörigen und einer ausgewählten Öffentlichkeit eine Aufführung statt. Es spielte eine Musikband und die kranken Menschen übernahmen für sie vertraute Rollen.  Selbstverständlich musste die Theatervermittlerin, die selbst in einer Rolle aufging, die Anleitung während des Stückes übernehmen und dafür sorgen, dass der Spielfaden nicht verloren ging.  Es gab Kaffee und Kuchen und am Ende waren alle stolz, weil  die kranken Menschen die Aufgabe bewältigt hatten und die Angehörigen ihre Familienmitglieder noch einmal als kompetente Spieler erlebten.

Leider ließ sich die Erarbeitung eines Stückes nicht noch einmal wiederholen, da die Krankheit der Spieler voranschritt und das Theaterspiel letztendlich unmöglich machte. Was blieb ist ein filmischer Mitschnitt, der die Theaterführung sehr deutlich darstellt. Bei der kleinen NRW-weit ausgeschrieben Tagung „Vorhänge öffnen“ im September 2015 wurde deutlich, dass es eine kleine Gruppe von Menschen gibt, die das Theaterspiel mit kranken Menschen vorantreiben will. Hierzu gibt es Planungen in einzelnen Schauspielhäusern, bei Theatergruppen, Theatermachern und Vermittlern. 

Weitere Informationen und Termine  gibt es bei 

Alzheimer Gesellschaft Bochum e.V. (0234 337772 oder info@alzheimer-bochum.de)

DSZ Ruhr (0234 93538133 oder dsz-ruhr@alzheimer-bochum.de)