Assauer Award – Demenz-Servicezentrum gewinnt zweiten Platz

Demenz-Servicezentrum Region Ruhr - am 6. Jan 2014

Das Demenz-Servicezentrum Ruhr hat Ende 2013 den 2. Platz des Assauer Awards gewonnen. Der Assauer – Award ist 2013 erstmalig ausgeschrieben worden und soll Projekte hervorheben, die besonders vorbildlich in der Unterstützung dementiell erkrankter Menschen sind. Geehrt wurde folgendes Projekt:

Menschen mit Demenz wünschen mit ihrer Erkrankung in der gewohnten Umgebung zu leben. Ihr Bezugsfeld wird kleiner, weil die Mobilität abnimmt und Orientierungsschwierigkeiten entstehen können.

Eine sehr tradierte Vorgehensweise, sich um die Belange unterstützungsbedürftiger Personen zu bemühen, war die der Bezirksfürsorge, Bezirkssozialarbeit und Gemeindekrankenpflege. Vorteile dieser Konzepte waren kurze Wege, Bekanntheit der Helfer aber auch das Zugehen auf die Menschen, die der Unterstützung bedürfen aber nicht mehr nach ihr verlangen können. Es sind insbesondere Menschen mit dementiellen Erkrankungen und ihre Familien, die den Zugang in die Unterstützung nur schwer finden. Es bedarf daher „Kümmerer“, die bekannt sind, zugehen und helfen, wenn der Bedarf sichtbar wird.

Der Gesetzgeber hat hierfür das Instrument des Alltagsbegleiters gem. § 45 SGB XI geschaffen, der bislang aber nur sehr eingeschränkt im Sozialraum tätig ist. Das anliegende Projekt, dass auf die veränderten altenpolitischen Strukturen in der Stadt Bochum für die Personengruppe der dementiell Erkrankten reagiert, versucht mit diesem eigentlich tradierten Projekt der Gemeindekrankenpflege oder wie wir heute sagen sozialräumlicher Alltagsbegleitung, den dementiell erkrankten Menschen Unterstützung zu sichern.

Das Modell ist weitgehend zukunftsweisend, da es verschiedene aktuelle Zielrichtungen aufnimmt und umzusetzen versucht. Hierzu gehören:

  • Die Steuerung von Dienstleistungen nicht mehr hierarchisch, sondern aus dem Netzwerk der in einem überschaubaren Sozialraum tätigen Akteure zu verstehen. Akteure sind Personen in der Unterstützung der Menschen mit Demenz einschl. ehrenamtlicher Strukturen, Geschäftswelt, Banken und Behörden, Polizei, wo erkrankte Menschen erscheinen und etwas erledigen möchten.
  • Das Projekt fördert Menschen, die den Mut haben,  sich als niedergelassene Alltagsbegleiter unternehmerisch tätig zu werden und in strukturschwachen Stadtteilen Arbeitsplätze zu schaffen. Das gilt insbesondere für Menschen in den nördlichen Stadtgebieten Bochums mit den für das Ruhrgebiet typischen Wohn-und Lebensbedingungen.
  • Die Stadtteilbüros erhalten in Zeiten kommunaler Finanzkrise Instrumente an die Hand dem steigenden Hilfebedarf in den Stadteilen und Quartieren gerecht zu werden.
  • Die Arbeit ist immer eine Art öffentliche Sozialraumkonferenz zumeist zum Markttag auf dem zentralen Platz im Stadtteil (Demenz unter dem Schirm des Quartiers), die dem Bürger deutlich macht, das es für Menschen mit Demenz Unterstützung gibt, das die Hilfe in Netzwerken stattfindet und das auch der Bürger mit anderen Kräften zusammenwirken muss, wenn er die Krankheit Demenz für sich oder Familienmitglieder bewältigen will.

Ohne eine Neuausrichtung der Pflege und Betreuung für Menschen mit Demenz wird eine an der Würde und der Selbstbestimmung ausgerichtete Unterstützung der kranken Menschen auf Dauer nicht möglich sein.

Weitere Bilder und einen Bericht zur Preisverleihung finden Sie hier auf der Homepage der Assauer-Initiative