Demenz unter dem Schirm des Quartiers - Eine Kampagne des Demenz-Servicezentrums Region Ruhr von Mai bis September 2012

Demenz-Servicezentrum Region Ruhr - am 23. Jan 2012

Eine Kampagne des Demenz-Servicezentrums Region Ruhr

Menschen mit Demenz leben im Quartier. Menschen mit Demenz leben kleinräumiger, als jüngere und nicht erkrankte Menschen. Ihre Mobilität ist eingeschränkt. Typische Versorgungsleistungen werden häufig in der
unmittelbaren Umgebung gesucht.

Dem stehen tradierte Paradigmen gegenüber, dass Menschen mit Demenz in Sondereinrichtungen leben oder von ihnen unterstützt werden. Sie gehören damit immer weniger dazu. Die auf Absonderung angelegten Strukturen
fördern den persönlichen Rückzug. Mit den Konzepten von Absonderung geht auch einher, dass kranke Menschen im Gemeinwesen nicht mehr präsent sind. Mit der Absonderung ist unter den Bürgern oft die diffuse Angst verbunden, selbst einmal zu den Menschen zu gehören, die kaum jemand mehr will.

Damit Menschen mit Demenz in ihrem gewohnten Umfeld leben bleiben können und dort Unterstützung erfahren, bedarf es struktureller Veränderungen im Stadtteil und Quartier. Es gilt, kommunikative Bezüge aufzubauen, sie zu verstetigen und schließlich in strukturelle Veränderungen münden zu lassen. Veränderungen betreffen Leistungsanbieter nicht nur von Versorgung und Pflege sondern auch Vereinigungen und Gruppen, Geschäfte, Ärzte,
Verkehrsunternehmen usw.

Quartiere können nicht von außen neu strukturiert werden, sondern sie erneuern sich selbst. Hierzu bedarf es allerdings Anstöße, die eine veränderte Kommunikation möglich machen. Schlussendlich geht es darum, dass
Menschen mit Demenz, dort wo sie bereits immer gelebt haben, mit ihren Eigen- und Krankheiten weiter leben, sich verlaufen, Irrtümer begehen und ihr Leben in den gewohnten Bezügen führen dürfen.

Um dieses Konzept umzusetzen, bedarf es der Schaffung von Verbindungen der Akteure in einem Quartier. Die Schaffung von Verbindungen der Akteure lassen sich in den drei Leitsätzen zusammenfassen:

  • Menschen mit Demenz
    leben in ihrem Gemeinwesen, das für sie Schutz und Schirm ist.

  • Menschen mit Demenz
    brauchen Kontakt und man muss
    über sie sprechen.

  • Menschen mit Demenz
    benötigen Unterstützung durch
    qualifizierte Dienste und stadtteilbezogene Strukturen- und Angebote.

Es ist eine Kampagne, in der an einem Tag etwa für vier bis sechs Stunden auf einem belebten Platz ein großer Schirm aufgestellt wird. Der Platz soll der Mittelpunkt eines Quartiers, Stadtteils, einer Nachbarschaft
etc. sein.  Betroffene, Interessierte und professionelle Kräfte aus dem Quartier, die sich mit dem Thema beschäftigen, sind eingeladen, unter den Schirm zu kommen. Dienste ebenfalls aus dem Quartier
stellen sich an kleinen Stehpulten vor. Es gibt Gelegenheit zum Austausch, zur Vorstellung des eigenen Dienstleistungsangebotes etc. Während der Präsenz wird ein Forum durchgeführt. Unter leitenden Fragestellungen zu Demenz und Quartier wird wie auf einem Marktplatz durch einen Moderator ein ergebnisoffenes Gespräch von ca. 30 bis 45 Minuten geleitet. Damit soll der Diskurs zu Fragen der Demenz und Quartier angestoßen werden.

Teilnehmen können alle Menschen, die anwesend sind. Es steht pro Termin zusätzlich ein Budget von 200,- € zur
Verfügung, um mit den Akteuren möglicherweise auch in deren Regie eine spezielle Veranstaltung z.B. ein Vortrag in deren Räumen, eine „Offene Tür“, ein Gesprächsforum etc. durchzuführen.

Geplant sind etwa zwanzig Aktionstage „Demenz unter dem Schirm des Quartiers“ im Zuständigkeitsbereich des DSZ Ruhr in den Landkreisen Recklinghausen und Ennepe-Ruhr und den Städten Bochum, Herne und Gelsenkirchen.
Davon sind in den Landkreisen, Bochum und Gelsenkirchen jeweils vier bis fünf  und in Herne zwei Veranstaltungen geplant.


Die Aktion besteht aus dem großen Schirm, der neben seiner symbolhaften Bedeutung auch Schutz vor Regen etc. bietet, kleinen Stehpulten an den Information erteilt und Material ausgestellt werden kann sowie dem moderierten Forum. Die Orte werden mit den bestehenden Netzwerken zur Demenz in den einzelnen Kreisen und Städten bestimmt. Die einzelnen Aktionen werden mit den potentiellen Akteuren im Gemeinwesen zuvor besprochen und in der Presse angekündigt.

Es soll nach Möglichkeit ein oder wenige hauptverantwortliche Träger gefunden werden, die ihren Sitz im Quartier /
Stadtteil haben. Mit ihm werden die weiteren Akteure im Quartier / Stadtteil gefunden. DSZ, hauptverantwortliche/r Träger und die weiteren Akteure führen eine vorbereitende (Quartiers-)Konferenz durch und legen letztendlich den genauen Ort und die Zeit fest. Dann kann die Aktion durchgeführt werden. Ggf.
kann es zu einer Nachbesprechung kommen, aus der sich ggf. wiederkehrend durchgeführte Quartierskonferenzen ergeben können. Auf jeden Fall wird mit einer solchen Aktion die quartiers- stadtteilbezogene Kommunikation gefördert.

Zeitraum: Mai bis September 2012